Johann Falch und die Schmetterlinge

Eine "Jahrhundertentdeckung"

von Bodo Beier

Anläßlich einer Neuerwerbung der Städtischen Kunstsammlungen Augsburg 1986 wurden von Bodo Beier, Restaurator dieses Museums, zwei Depotbestände des Malers Johann Falch (geb. 1687 Augsburg – gest. 1727 Augsburg) genauer untersucht.

Zum vergrößern,
Bilder anklicken.

Abb. 1: Johann Falch, Öl auf Pergament, 10,5 x 13,5 cm. Links: Bläuling, rechts: Distelfalter (beide Falter im Abklatschverfahren. Das Blau des Bläulings ist gemalt.) – Städt. Kunstsammlungen Augsburg, Inv.-Nr. G 7965
Abb. 2: Johann Falch, Öl auf Pergament, 10,5 x 13,5 cm. Links: Perlmuttfalter, rechts: Admiral (beide Falter im Abklatschverfahren) und Schnirkelschnecke – Städt. Kunstsammlungen Augsburg, Inv.-Nr. G 7964.
Überraschenderweise zeigte sich an diesen bisher noch nie gereinigten oder restaurierten Bildchen, daß bei den Schmetterlingen nur Körper, Beine und Fühler gemalt sind, während die Farbigkeit der Flügel aus echten Schmetterlingsschuppen besteht.
Abb. 3: Detail aus Bild 1. Abb. 4: Makrophoto aus Bild 1.
Schuppenanordnung sichtbar
Diese malfremde Technik ist wohl damals ein Werkstattgeheimnis gewesen, da sie in keiner zeitgenössischen Schrift erwähnt wurde. Der Grund für die jahrhundertlange Nichtbeachtung ist die bedauernswerte Tatsache, daß bei vielen anderen Gemälden dieser Art die empfindlichen Schuppen durch Reinigung oder Firnisabnahme leicht verloren gegangen sind. In einigen Sammlungsbeständen ist so oft nur noch der weiße Grund geblieben.

Johann Falch war in Augsburg als Stillebenmaler bekannt. Doch als ‘Erfinder‘ der Abklatschtechnik gilt der niederländische Maler Otto Marseus van Schrieck (geb. 1619 oder 1620 Nymwegen – gest. 1678 Amsterdam). Er nahm unter den Malern eine Sonderstellung ein, da er sich intensiv mit Kleingetier und Pflanzen befaßte. Schrieck und den Nachahmern seiner Technik, zu denen auch Falch gehörte, gelang auf diese Weise wirklich eine genaueste Wiedergabe von Faltern, wie sie durch herkömmliche Malerei nicht möglich ist.

Doch mahnt auch die vielschichtige Symbolik barocker Stilleben mit dem Begriff ‘Memento mori‘ – gedenke des Todes: Zeichen dafür sind auf anderen Bildern zum Beispiel die nach dem Insekt schnappenden Eidechsen, faulendes Obst, zerplatzende Seifenblasen, ausgehende Kerze. Diesem symbolischen Bildinhalt konnte darüber hinaus auf den hier vorgestellten Werken durch die Plazierung ehemaliger Lebensspuren eine direkte Sichtbarkeit gegeben werden.

Die Technik des Abklatschverfahrens
Auf ein Bindemittel – zum Beispiel Firniß, Schellack oder Eiweiß –, das leicht angetrocknet werden muß, wird der Schmetterlingsflügel aufgelegt und vorsichtig mit dem Finger angedrückt. Dann kann der Flügel behutsam abgehoben werden.
Abb. 5 Abb. 6
Abb. 7

Für die Versuche wurden Depotbestände aus dem Naturmuseum Augsburg verwendet.

Literatur:
Bodo Beier:"Contre-Épreuves" in der barocken Stillebenmalerei, in:
Maltechnik, Restauro 1, 1987
Callwey Verlag, München, S. 35-39



Grafik 2003: www.doerfler-werbung.de